| Es mag spitzfindig sein, zwischen Bueber und Bubenseeli zu unterscheiden: Als "Bubenseeli" wurde, wie unter diesem Stichwort nachzulesen ist, die innere Aare, erst teilweise, später in ihrer Gesamtheit bezeichnet. Bis 1886 wurde der Name auf alle öffentlichen Badeplätze an der inneren Aare angewandt. Mit dem damaligen Landerwerb ging eine massive Vergrösserung und Differenzierung des Bades einher. Die Bezeichnung Bubenseeli wurde der neuen Situation mit dem Frauenbad nicht mehr gerecht. Deshalb sprach man fortan von den öffentlichen Badeanstalten im Marzili und unterschied dabei die folgenden Abteilungen: Badeanstalt "Grosse Aare", Froschenweiher, Männerbadeanstalt, kurz Bueber, und die Frauenbadeanstalt, kurz Mojeler genannt.
Die jeweilige Sprachregelung war durch fliessende Übergange gekennzeichnet. Sie konnte ja nicht einfach verordnet werden, sondern sie entwickelte sich mit der Zeit aus den aktuellen Gegebenheiten. So lebten wahrscheinlich schon immer Bezeichnungen ausverschiedenen Epochen nebeneinander. Solches liess (und lasst sich weiterhin) als Ausdruck des persönlichen GeschichtsBewusstseins verwenden. Der Bueber, als ein dem männlichen Geschlecht vorbehaltenes Bad, existierte ungefähr bis 1956, doch hören Sie selbst, wie sich das Aus ankündigte (Leserbrief vom Sommer 1959):
Ich habe die Entwicklung im Bueber zu einem guten Teilmiterlebt. Disziplin und Friede herrschte dort unten bis vor einigen Jahren, als das Buebenseeli auch den weiblichen Badenden, wie es hiess, bis auf weiteres und auf Zusehen hin, geöffnet wurde. Es hiess damals, den Müttern müsse Gelegenheit geboten werden, ihre grösseren Knaben, die sie nicht ins Frauenbad mitnehmen durften, im Bueber | | schwimmen zu lernen. Ein Argument, das gilt. Aber solche Mütter sind an einer Hand aufzuzahlen. Jedenfalls wurde dem weiblichen Geschlecht der Bueber geöffnet, zuerst bis zum oberen Brückli, dann bis zum unteren und schliesslich auch das Seeli und dessen rechte Flanke. Und die Invasion wälzt sich weiter fort. Anfänglich mussten die Frauen sich gleichwohl oben im Familenbad umziehen, nun dürfen sie es sogar im Bueber tun. Ja, ja, der Bueber scheint auf alles Weibliche faszinierend zu wirken. Badenixen, deren Bikinis nicht viel grösser sind als Sonnenbrillen, lieben es ganz besonders, dort zu promenieren. Es gibt dort auch die Sorte Frauen, die sich nicht genieren, sich ihrer Kleider drunten im Bueber vor allen Männern zu entledigen. Es sind nicht die gemeint, die ihr Badkleid schon tragen und dann nur noch den Rock abstreifen, nein, sondern andere, die sich vollständig vor aller Welt zur Schau stellen. Man hat für diese Spezialfälle im Bueber nun allerdings noch einen speziellen Verschlag erstellt,
damit sie sich wenigstens hinter diesen verziehen können. Dennoch gibt es Frauen, die diese Einladung überflüssig finden. Ja, der Bueber ist zum Familienbad geworden. Während dort reger Betrieb herrscht, ist das Frauenbad halb entvölkert. Wann endlich wird auch dieser Teil zum Familienbad, ganzabgesehen vom Paradisli, das heute auch keine Daseinsberechtigung mehr hat. Auch da kann für das Familenbad mehr Platz geschaffen werden. Andere Strandbäder kennen solche Extras auch nicht mehr.
In diesem Brief ist das Schwimmenlernen der Kinder erwähnt, das muss in der Tat ein echtes Problem gewesen sein. Noch in den fünfziger Jahren verkleidete manche Mutter ihren kleinen Sohn mit ganzem Badeanzug und Badekappe in ein Mädchen, um ihn so ins Frauenbad führen zu können.
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